Madeleine Burkowsky – Frauen- und Kinderschutzhaus Leipzig

Wir feiern heute Frauen und Flinta. Unsere Stärke, unsere Solidarität, unsere Kämpfe. Aber wir müssen heute auch über etwas sprechen, das viele Frauen und Flinta täglich bedroht: Und das ist die Gewalt, die sie in ihrem eigenen zu Hause, in den eigenen vier Wänden oder in ihrem sozialen Nahraum erfahren. Denn Gewalt gegen Frauen und Flinta ist kein Randproblem. Sie passiert mitten in unserer Gesellschaft. Jeden Tag. Auch hier in Leipzig. Das Hilfesystem für von Gewalt bedrohte oder betroffene Frauen und ihre Kinder umfasst in Leipzig aktuell fünf Schutzeinrichtungen. Seit 2021 gehört auch die Zentrale Sofortaufnahme der Frauen*- und Kinderschutzhäuser dazu. Dieses Schutzhaus war ein wichtiger Fortschritt.
Es entstand, weil klar war: In einer Großstadt wie Leipzig reichen allein mehr Frauenhausbetten nicht aus. Das Hilfesystem für von Gewalt bedrohte oder betroffene Frauen* und FLINTA muss verbessert werden. Vor allem der Zugang zum Hilfesystem muss schneller und einfacher möglich sein.
Was genau hat sich 2021 mit der Zentralen Sofortaufnahme verändert? Zum ersten Mal gab es eine zentrale Telefonnummer für Leipzig.
Frauen* mussten nicht mehr verzweifelt ein Frauenhaus nach dem anderen abtelefonieren, während sie gerade mit ihren Kindern vor Gewalt fliehen oder einen kurzen unbeobachteten Moment zum Telefonieren nutzen können. Wobei fraglich ist wie viele Frauen* überhaupt ein zweites, drittes, viertes, fünftes Mal zum Telefon greifen. Zum ersten Mal gab es die Möglichkeit eines kostenfreien Schutzes. Ein Schutzhaus in dem keine Nutzungsentgelte in Rechnung gestellt werden müssen. Und zum ersten Mal gab es ein Schutzhaus, in dem Fachkräfte auch abends, an Wochenenden und Feiertagen vor Ort waren — und nicht nur telefonisch erreichbar. Denn die ersten Tage nach dem Einzug in ein Frauen*- und Kinderschutzhaus sind häufig die krisenhaftesten. Angst. Scham. Schlaflosigkeit. Panik. Unsicherheit. Fragen. Da ist die Hürde zum Telefon zu Greifen und eine Rufbereitschaft zu kontaktieren noch zu groß.
Da braucht es Menschen vor Ort, die zuhören, begleiten, Maßnahmen zum Schutz besprechen. Die Zentrale Sofortaufnahme war außerdem ein Schutzraum für Frauen und Flinta, die in den bestehenden Schutzhäusern häufig keinen Platz finden: Frauen* mit psychischen Auffälligkeiten, Suchterkrankungen oder einem höheren Unterstützungsbedarf. Dieses Schutzhaus, das 2021 als Modellprojekt gestartet ist, war kein Luxus.
Es war eine notwendige Antwort auf reale Gewalt und bestehende Barrieren, die Frauen* und FLINTA den Zugang zum Hilfesystem erschweren. Am 21. April dieses Jahres gab das Sozialministerium in einer Pressemitteilung bekannt, dass Sachsen das erste Bundesland ist, das die Vorgaben des Bundes im Rahmen des 2025 beschlossenen Gewalthilfegesetzes in Landesrecht umsetzt. Mit der Umsetzung der Vorgaben des Bundes würde Sachsen den Weg zum Schutz aller Betroffenen von geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt ebnen. Und weiter: Ziel des Gesetzesentwurfs ist es den Betroffenen ein bedarfsgerechtes und flächendeckendes Hilfesystem zur Verfügung zu stellen. Was in der Pressemitteilung allerdings nicht erwähnt wird, ist ein Schreiben desselben Sozialministeriums, dass uns im Februar dieses Jahres erreicht hat und in dem uns mitgeteilt wurde, dass das Modellprojekt Zentrale Sofortaufnahme zum 30.06. beendet wird. „Aufgrund einer zu Jahresbeginn erfolgten Bewirtschaftungsmaßnahme im Sächsischen Staatsministerium stünden dem Gewaltschutz ca. 10 Prozent weniger Ausgabemittel zur Verfügung, wodurch die Beendigung des Modellprojekts unumgänglich bereits zum 30.06. zu realisieren sei.“ Das Ministerium argumentiert, dass sich für Leipzig nichts ändern würde. Die sechs Schutzplätze würden erhalten bleiben. Sie befinden sich künftig nur unter dem Dach des 4. Frauen*- und Kinderschutzhauses. Das Frauen*FLINTA Festival steht dieses Jahr unter dem Motto: Es gibt kein Zurück. Ohne uns keine Zukunft. An dieser Stelle erleben wir leider doch einen Rückschritt. Einen Schritt zurück ins Jahr 2021. In ein Hilfesystem ohne Zentrale Sofortaufnahme. Ohne zentrale Rufnummer, ohne schnelleren Zugang zum Hilfesystem. Ab sofort heißt es wieder:
Frauen* müssen sich auf der Suche nach einem Frauenhausplatz durchtelefonieren. Frauen* müssen ab dem ersten Tag wieder Nutzungsentgelte zahlen.
Frauen sind nachts und an den Wochenenden allein in den Frauen- und Kinderschutzhäusern.
Und FLINTA mit Mehrbedarfen fallen erneut durch das Hilfesystem. Die Umsetzung des Gewalthilfegesetzes in Sachsen soll ein bedarfsgerechtes und flächendeckendes Hilfesystem zum Ziel haben und gleichzeitig schließt das Sozialministerium das einzige Schutzhaus in Sachsen, das von Gewalt betroffenen Frauen* und ihren Kindern einen niedrigschwelligeren Zugang zum Hilfesystem ermöglicht hat. Parallel heißt es gegenüber den Fachkräften in den Frauen*- und Kinderschutzhäusern, dass wir uns mit den bestehenden Ressourcen kreative Lösungen einfallen lassen sollen wie der Zugang zum Hilfesystem allen von Gewalt betroffenen Frauen* und FLINTA ermöglicht werden kann. Außerdem will das Ministerium ab 2027 eine landesweite Telefonzentrale schaffen, die die Fachkräfte bei der Vermittlung eines Frauenhausplatzes unterstützen soll, wenn in dem zuerst kontaktierten Frauenhaus kein freies Zimmer zur Verfügung steht. Doch wir Fachkräfte wissen: Das Problem ist nicht, dass wir unfähig sind eine Telefonnummer rauszusuchen. Das Problem ist, dass Schutzplätze fehlen und insbesondere Schutzplätze für Frauen und FLINTA, die nicht selbstständig für sich sorgen können, psychische Auffälligkeiten oder eine Suchterkrankung haben. Deutschlandweit fehlen etwa 14.000 Frauenhausplätze. In Sachsen fehlen ca. 200 Schutzplätze. Und während das Gewalthilfegesetz ab 2032 einen Rechtsanspruch für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder sichert, plant Sachsen bis 2028 den Ausbau von 19 weiteren Zimmern. 19 Zimmer. In zwei Jahren. Für ganz Sachsen. Das reicht nicht.
Nicht für die Frauen. Nicht für die Kinder. Nicht für die Realität dieser Gewalt. Deshalb dürfen wir nicht schweigen. Gewaltschutz ist keine freiwillige Sozialleistung. Gewaltschutz ist ein Menschenrecht. Jede Frau/FLINTA muss die Möglichkeit haben, Schutz zu finden — unabhängig von Einkommen, Herkunft, psychischer Verfassung oder Suchterkrankung. Und jede politische Entscheidung, die diesen Zugang erschwert, gefährdet Frauen* und Kinder. Deshalb stehen wir heute hier.
Nicht nur zum Feiern.
Sondern auch zum Sichtbarmachen und zum Lautsein. Damit FLINTA und ihre Kinder, die einen Schutzplatz oder Beratung benötigen, diese auch erhalten.
Vielen Dank.

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Shahrzad Shojaee 

Liebe Frauen, Liebe Mitstreitern!
Heute stehe ich hier nicht nur als Rednerin, sondern als eine Frau, deren Leben und Träume grenzenlos an anderen Orten verwurzelt sind Mehr noch: Ich bin heute hier, um im Namen aller Frauen zu sprechen, deren Stimmen diese Bühne heute nicht erreichen können. Ich spreche für die Frauen in Afghanistan, denen das Recht auf Leben und Bildung entzogen wurde Ich rede für die Frauen im Nahen Osten und in Afrika, die im Krieg geschändet werden und für das einfache Überleben einen hohen Preis zahlen müssen Ich rede für meine Schwestern im Iran, deren Alltag zu einem täglichen Kampf gegen die Tyrannei geworden istDie Freude und das Lächeln haben sie seit 47 Jahren verlassen. Wir sind heute hier, um über unsere Macht zu sprechenÜber die Macht der Frauen, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen möchten. Diese Frauen kämpfen für die Änderung alter, konservativer Strukturen – vom eigenen Zuhause bis in alle Ebenen der Gesellschaft. Es muss möglich sein, dass eine Frau ohne Angst vor Übergriffen auf die Straße gehen kann. Wir haben gelernt, dass der Zusammenhalt der Frauen die stärkste Waffe auf dem Weg zur Freiheit ist…  Jedes Mal, wenn wir angesichts der Gewalt gegen eine Gruppe von Frauen schweigen und wegschauen, verraten wir uns selbst und führen unsere eigene Niederlage herbei Unsere Schwäche war schon immer gefährlicher als die Unterdrückung durch den Feind. Jetzt weht der frische Wind der VeränderungIn den jüngsten Bewegungen – von Kabul bis Teheran, von Afrika bis Südamerika – haben wir gesehen, wie verschiedene Schichten der Gesellschaft die Welt erschüttern können, wenn sie sich für ein gemeinsames Ziel vereinen. Doch lassen Sie mich offen sprechen: Dieser Weg ist nur durch unseren Zusammenhalt und die echte Unterstützung der Weltgemeinschaft möglich. Totalitäre Regime konnten nur im Schatten der Gleichgültigkeit und der politischen Zweckmäßigkeit an der Macht bleiben Ich frage Euch: Wenn die Welt zu den Verbrechen der Nazis geschwiegen hätte, wo würden wir heute in der Geschichte stehen? Diejenigen, die billiges Benzin und Handelsinteressen dem Blut der Jugend und der Freiheit der Frauen vorziehen – welche Antwort werden sie morgen haben? Die Welt von heute braucht kein Gratis-Benzin, das mit dem Blut unterdrückter Völker erkauft wird; sie braucht Frieden und Gerechtigkeit, die keine Grenzen kennen. Wir sind Wege gegangen, die uns schmerzhafte Überwindung gekostet haben. Wir sind erschöpft, aber wir stehen aufrecht – und heute brauchen wir echte globale Unterstützung. Bitte, verstehen Sie unseren Schmerz und unseren Zorn! Eine bessere Welt ist kein Ort, an dem Unterschiede verschwunden sind. Es ist ein Ort, an dem „geografische Differenz“ kein Freifahrtschein für das Schweigen der Masse ist. Unsere Vielfalt wird erst dann zur Macht, wenn wir lernen, unsere Unterschiede nicht als Grenzen, sondern als verschiedene Bollwerke in einem gemeinsamen Kampf zu begreifen. Als Frauen mit unterschiedlichen Hintergründen sind wir die Architektinnen dieser neuen Welt. Wir sind die Schöpferinnen des Lebens. Wir dürfen nicht zulassen, dass unterschiedliche Identitäten oder politische Grenzen uns trennen. Stattdessen müssen wir diese Vielfalt als Werkzeug nutzen, um ein tieferes und besseres Verständnis von Gerechtigkeit zu erlangen und gegen jede Form von Tyrannei und Patriarchat zu kämpfen Lassen Sie uns heute gemeinsam schwören, dass niemand von uns auf diesem Weg allein bleibt. Lassen Sie nicht zu, dass Merkmale wie Akzent, Hautfarbe oder Nationalität uns davon abhalten, einander die Hand zu reichen Ich bitte Sie: Schauen Sie die Person an, die neben Ihnen steht. Vielleicht kommt sie aus einem anderen Land, aber ihr Herz schlägt für dieselbe Gerechtigkeit, nach der auch Sie streben. Die menschliche Solidarität kennt keine Grenzen. Nur zusammen sind wir stark. Gegen eine so starke, bewegende Welle kann keine Mauer standhalten.. Unsere Vielfalt ist unsere Stärke Unsere Einheit ist unser Sieg  Lasst uns vereint bleiben!

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Sidekick Leipzig e.V. – Feministisches Thaiboxen und Selbstbehauptung Bereich für MINTA*

Hallo zusammen,
schön, heute hier auf dem 7. FLINTA*-Festival zu sein. Auch wenn es etwas einschüchternd ist, allein auf so einer großen Bühne zu stehen. Normalerweise stehe ich nicht auf Bühnen, sondern auf der Matte – wie wir bei Sidekick sagen. Sidekick feiert dieses Jahr seinen 10. Geburtstag. Seit zehn Jahren trainieren bei uns FLINTA* und MINTA* Thaiboxen und feministische Selbstbehauptung. Ich möchte euch heute einen kleinen Einblick in unsere Arbeit geben. Wenn Menschen an Selbstverteidigung denken, denken viele zuerst an Schläge, Tritte oder körperliche Techniken. In unserer Arbeit erleben wir aber jeden Tag, dass Stärke oft ganz woanders beginnt: die eigene Stimme zu nutzen, Raum einzunehmen, Warnsignale ernst zu nehmen, Unterstützung zu suchen und zu erfahren: Ich muss schwierige Situationen nicht einfach hinnehmen. Stärke zeigt sich, wenn ein Kind zum ersten Mal laut „Nein!“ sagt. Wenn eine Jugendliche ihrer eigenen Wahrnehmung vertraut. Oder wenn Erwachsene nach einem Kurs sagen: „Ich fühle mich stärker – nicht weil ich kämpfen will, sondern weil ich weiß, dass ich es könnte.“ Zu uns kommen Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen. Manche möchten Sport machen, andere suchen mehr Sicherheit im Alltag. Viele wünschen sich einfach einen Raum, in dem sie sich ausprobieren können, ohne bewertet zu werden. Besonders wichtig ist uns, dass dieser Raum auch für inter, nicht-binäre, trans und agender Personen offen ist. Denn Selbstbehauptung bedeutet nicht für alle das Gleiche. Für viele Menschen geht es nicht nur darum, sich in bedrohlichen Situationen zu schützen, sondern darum, im Alltag respektiert zu werden, die eigene Identität anerkannt zu sehen und das Recht zu haben, über den eigenen Körper und das eigene Leben selbst zu bestimmen. Selbstbehauptung kann bedeuten, den eigenen Namen einzufordern, Grenzen zu setzen, Unterstützung zu suchen oder einfach darauf zu bestehen: Ich habe ein Recht darauf, hier zu sein. Meine Existenz ist nicht verhandelbar. Gleichzeitig ist uns wichtig zu sagen: Gewaltprävention darf niemals bedeuten, die Verantwortung auf Betroffene abzuwälzen. Nicht wir müssen unser Verhalten ändern, damit uns keine Gewalt passiert. Die Verantwortung liegt bei denen, die Gewalt ausüben, und bei den Strukturen, die Gewalt ermöglichen und normalisieren. Trotzdem wissen wir: Handlungsfähigkeit macht einen Unterschied. Solidarität macht einen Unterschied. Gemeinschaft macht einen Unterschied.Deshalb ist Selbstbestimmung ein zentraler Teil unserer Arbeit – nicht nur als Thema, sondern als gelebte Praxis. Im Training entscheide ich selbst, wie sehr ich mich anstrenge, wie fest ich schlage, wie laut ich werde, wann ich eine Pause brauche und welche Übung ich nicht machen möchte. Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht. Gerade im Sport sind Grenzüberschreitungen oft normalisiert. Wer erfolgreich sein will, soll durchziehen, Schmerzen aushalten und die eigenen Bedürfnisse hinten anstellen. Wir versuchen, einen anderen Weg zu gehen. Bei uns ist ein Nein kein Problem. Eine Pause ist kein Scheitern. Und die Entscheidung, eine Übung nicht mitzumachen, muss nicht begründet werden. Es bewegt mich immer wieder zu erleben, dass wir mit Sidekick einen Ort geschaffen haben, an dem eine queerfeministische Vision von Gesellschaft bereits gelebte Realität ist. Zugleich müssen auch wir intern an unseren Strukturen arbeiten. Wir versuchen Zugänge für marginalisierte Gruppen, wie z.B. Menschen, die von Rassismus oder Fatshaming betroffen sind, zu schaffen. Hierfür bauen wir bspw. finanzielle Hürden ab oder bevorzugen diese Personengruppen beim Eintritt in den Verein. Jedes Kind, das erfährt, dass sein Nein zählt. Jede Person, die lernt, Grenzen zu setzen. Jeder Mensch, der seinen Platz einnimmt, obwohl ihm gesagt wurde, er solle sich kleiner machen – all das ist ein Schritt hin zu einer gerechteren Gesellschaft. Deshalb sind unsere Kurse mehr als Sport. Sie sind Räume, in denen Menschen Kraft entwickeln. Für sich selbst. Und füreinander. Und damit solche Räume nicht die Ausnahme bleiben, braucht es mehr kommunal geförderte Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Und gleichzeitig braucht es dringend mehr Angebote, in denen Jungen und junge Männer sich mit Gewalt, Geschlechterrollen und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung auseinandersetzen können. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass auch Jungen und Männer von sexualisierter Gewalt betroffen sind und auch FLINTA*/MINTA* Gewalt ausüben. Doch statistisch betrachtet ist eindeutig, dass die meisten Betroffenen MINTA* und FLINTA* sind. Gewaltprävention bedeutet also nicht nur, Menschen zu stärken, die von Gewalt betroffen sind. Sie bedeutet auch, die Bedingungen zu verändern, unter denen Gewalt entsteht. Abschließen möchte ich gerne mit einem Ritual., mit dem wir bei Sidekick jedes unserer Trainings beenden. Wir nennen es „die Matten ausklopfen“. Nun haben wir hier keinen Mattenboden aber wunderschönes Kopfsteinpflaster und wunderbare Oberschenkel. Dafür stellt ihr kurz eure Flaschen beiseite und steckt das Handy in die Tasche.Ich freue mich über einen kraftvollen Trommelwirbel und wünsche euch noch ein tolles Festival!
Vielen Dank.

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Tina Lüderitz – Feministische Bande

Hi, ich bin Tina. Ich bin heute hier um über Care Arbeit zu reden. Wir wissen mittlerweile, dass Care Arbeit, also das „sich kümmern“ ungleich verteilt ist in unserer Gesellschaft. Frauen leisten 9h mehr Care Arbeit in der Woche als Männer. Das ist ein Gender Care Gap von 44,3%. Diese Arbeit leisten wir UNBEZAHLT! Die Zeit, die wir dafür aufbringen, fehlt an anderer Stelle. Das führt zu schlechteren Chancen auf den Arbeitsmarkt und letztendlich in die Altersarmut. 1/3 der Frauen droht eine Rente von weniger als 1.000 EUR! Der Gender Pay Gap liegt bei 18% und  der Gender Lifetime Earnings Gap, also der unterscheid im Lebenserwerbseinkommen, bei fast 49,8%. Männer erwerben DOPPELT SO VIEL Einkommen wie Frauen in ihrem Leben! Und wisst ihr warum? Weil Frauen alles im Hintergrund regeln, Emotionen balancieren, sich darum kümmern, dass an alles gedacht ist und dieser Mann, der doppelt so viel Geld in seinem Leben erwirbt, der nimmt überhaupt nicht wahr, was da eigentlich noch für unsichtbare Aufgaben übernommen werden. Es gibt nämlich in dem Zusammenhang auch einen Gender-Wahrnehmungs-Gap. Auf die Frage „wer organisiert den Alltag“ antworten 2 Drittel der Männer in Paarbeziehungen, dass die Organisation gleich verteilt sei, während dies nur 1/3 der Frauen so angeben. Ich finde das bezeichnet, dass die Wahrnehmung über die Aufteilung von Organisation hier so weit auseinander geht. Diese Partner nehmen die unsichtbare Arbeit, Mental Load und Emotional Load nicht als Arbeit wahr oder noch schlimmer, nehmen gar nicht wahr was da noch alles im Hintergrund passiert. Und da hab ich jetzt was für euch. Ihr erinnert euch eventuell an Christina Koch, die vor kurzem als erste Frau zum Mond gereist ist und vorher auf der ISS stationiert war. Sie sagte in einem Interview, dass sie ihrem Mann erklären müssen, dass dieser sie auf der Mondmission nicht einfach anrufen kann, wie er es auf der ISS getan hätte, um sie zu fragen wo etwas im Haushalt zu finden sei. Ich habe das meiner Familie erzählt. Weil die Absurdität, jemanden im Weltraum anzurufen, um zu fragen wo etwas im Haushalt zu finden sei, auch für Kinder sehr greifbar ist. Kurz darauf rief mein 9 jähriges Kind aus der Küche „Erde an Weltall“ – Es wollte mir eine Frage stellen. Hast du meinen Schlüssel gesehen oder weißt du wo die Haarbürste liegt oder so was… Ich antwortete drauf: „Verbindung kann nicht aufgebaut werden.“ Seitdem ist „Weltall“ zu einem Codewort geworden. Wenn ich darauf aufmerksam machen möchte, dass hier Care-Aufgaben an mich abgegeben werden, die ich nicht übernehmen kann/möchte, die schlichtweg nicht meine Verantwortung sind. Damit wird die Lücke sichtbar, die ich sonst unmerklich fülle. Und an alle die, die diese Care-Fragen unbedarft oder unbewusst stellen: Überlegt euch vielleicht kurz vorher, ob ihr dafür auch ins Weltall telefonieren würdet. Stellt euch mal vor, was wir – Frauen – mit all der Zeit anfangen könnten, wenn wir privat und beruflich nicht ständig für andere diese Kümmerarbeit übernehmen würden. Also, lasst die eine Email mit der offensichtlichen Fragestellung vielleicht einen Tag länger liegen. Zählt bis 20 bevor ihr auf Fragen antwortet, vielleicht kommt die Person noch selbst auf eine Antwort oder reist ab und an – zumindest gedanklich – ins Weltall.
Danke

Tina Lüderitz ist gründering der Feminisitischen Bande Leipzig. Die Feministische Bande Leipzig ist Teil des bundesweiten Bandennetzwerks von „Was verdient die Frau?“. Sie engagieren sich lokal für einen feministischen Austausch, gegenseitige Bestärkung und gemeinsame Aktionen im Kampf gegen das Patriarchat. Tina Lüderitz setzt sich zudem seit längerem für Equal Care und den Abbau von Gender Stereotypen ein.

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Annelie – feminist rebellion

„Diese Formulierung ist mir zu gewaltsam.“ „Sich auf Straßen zu kleben… das ist zu radikal.“ …zu laut, zu aggressiv, zu dolle, zu rücksichtslos, zu emotional, …! Solche Aussagen höre ich so oft im Rahmen politischer Arbeit. Nicht nur von den Medienhäusern oder Politiker*innen, sondern auch innerhalb von feministischen Gruppierungen. Und es ist ja auch irgendwie so typisch. Wenig fällt uns so leicht, wie FLINTA nicht ernst zu nehmen, sie als zu hysterisch und laut, als zu dramatisch und deshalb unvernünftig hinzustellen und an ihren Platz zu verweisen. Das aber bedeutet: Wir beschämen uns selbst UND wir beschämen uns untereinander – auch innerhalb unserer Gruppen. Damit machen wir uns selbst klein und spielen jenen in die Hände, die den ungerechten, gewaltvollen Ist-Zustand beibehalten wollen. Lassen uns genau von denen beschämen, die so sehr von unserer Fürsorge und ungesehenen Arbeit profitieren. Es sind genau diejenigen, die behaupten, eine gerechtere, fürsorglichere Welt wäre nicht möglich. Doch wir sollten uns auf diese Sackgassendiskussion nicht einlassen, denn wer diktiert, was gewaltsam ist? Wessen Hand schreibt die Normen, was normal und was zu radikal ist? Wer verfügt über die Deutungshoheit? Gewaltsam ist, dass jeden 3. Tag eine Frau von ihrem Ex-Partner umgebracht wird, dass kaum eine FLINTA durchs Leben geht, ohne schon einmal dumm angemacht, übergriffig behandelt, vergewaltigt worden zu sein. Gewalt ist ein System, in dem Menschen mehrere Jobs arbeiten und dennoch kaum um die Runden kommen. Armut ist Gewalt. Gewalt ist, Geflüchtete im Mittelmeer sterben zu lassen, Menschen abzuschieben und in Lagern zu stecken. Gewalt ist ein System, welches unsere Lebensgrundlagen und unsere Mitwelt zerstört,welches uns unserer Zukunft beraubt – alles für den Gewinn einiger weniger…. Das Patriarchat hat eine Normalität der Gewalt geschaffen, die uns einlullt. Es redet uns ein, dass es nicht anders geht. Menschen seien von Natur aus egoistisch und gewaltsam, Kriege seien unvermeidbar. Man könne sie nicht motivieren – ohne den Anreiz des Geldes, ohne das Versprechen von Konsequenzen bei Nichtgehorsam. Es brauche nun einmal Härte und Hierarchien. Und die Erzählung funktioniert so gut. Wir nehmen diese Gewalt hin, oft gar nicht erst wahr, so sehr ist sie Teil des Systems und vermeintlich normal. Doch nichts daran ist normal, nichts davon sollten wir hinnehmen! Das Patriarchat ist der Vater aller Krisen, mit denen wir kämpfen: Autoritarismus, Care-Krise, Ökologische Krisen, Gewalt an Menschen und Natur. Die Werte, die im Patriarchat gepflegt werden – Egoismus, Hierarchiedenken, Ungleichwertigkeit, Härte – haben uns in eine Welt voller Gewalt, grenzenloser Ausbeutung und Zerstörung allen Lebens geführt. Gleichzeitig sorgt das Patriarchat dafür, dass wir uns für sogenannte weibliche Werte wie Mitgefühl, Demut, Fürsorglichkeit, Verletzbarkeit und den Wunsch nach Verbundenheit schämen. Doch wir sollten uns davon nicht klein machen lassen, sondern gemeinsam wütend und laut eine andere Welt fordern.
Es gibt kein zurück. Ohne uns keine Zukunft!

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Alexandra Kluge – Sächsischer Hebammenverband e.V.

Unser Hebammenberuf hat sein Engagement für die Gewährleistung der gesundheitlichen Versorgung von Frauen*, Säuglingen und Familien vor, während und nach der Geburt eines Kindes und während der gesamten reproduktiven Phase, nicht verloren. Unser EthikKodex basiert auf der Anerkennung der Würde eines JEDEN Menschen und strebt das Einhalten von Menschenrechten, Selbstbestimmung und Gleichheit im Gesundheitswesen an. Das beruht auf gegenseitigem Respekt. Derzeit beobachten wir jedoch mit großer Sorge, dass sich die Versorgung vulnerabler Gruppen, wie beispielsweise Schwangeren und Gebärenden deutlich verschlechtert, weil Kreißsäle kurzfristig schließen, ohne die nachfolgende Versorgung sicherzustellen. Die BürgerInnen und Hebammen bleiben perspektivlos zurück. Das macht Stress, Angst und führt zu Unsicherheiten und einer höheren psychischen Belastung aller Beteiligten. Wir sehen die Chance für betroffene oder gefährdete Regionen darin, dass frauen- und familienorientierten Gesundheitszentren wohnortnahe Versorgungsangebote bündeln und koordinieren, damit sie erhalten bleiben, und nicht weggespart werden. Hier sollen Frauen*, Säuglinge und Familien interdisziplinär betreut werden. Der Rettungsdienst wird zunehmend frequentiert werden, weil sich die Fahrwege verlängern und die Sorgen, um die rechtzeitige Erreichbarkeit der Klinik verstärken. Hebammen können hier eine Schlüsselstellung einnehmen und vorab beratend tätig sein, und im Notfall im RTW mitfahren, um die Schwangere oder Gebärende in die Klinik zu begleiten. Dafür gibt es bereits das Projekt „Hebamme vor Ort in Sachsen“. Der Haken an der Sache ist jedoch, dass Hebammen hier ohne Vergütung arbeiten sollen. Sie wären die einzige Profession auf dem Rettungswagen Bezahlung! Seit Jahrhunderten müssen Hebammen sich mit der Ungleichbehandlung auseinandersetzen. Erkämpfte Leistungen werden immer wieder in Frage gestellt oder gekürzt. Freiberufliche Hebammen sind betroffen, weil die Verhandlungen zum Hebammenhilfevertrag nach jahrelanger Verhandlung nur eine Kompromisslösung zu Lasten der Beleghebammen erreichen konnten. Für Hebammen im klinischen Setting, wurde eine Höhereingruppierung erwirkt, die durch den drohenden Wegfall des Pflegbudgets gefährdet wird. Das Fundament einer Gesellschaft ist eine gesunde und wachsende Bevölkerung. Die Geburt eines Kindes ist ein Kraftakt von der Gebärenden im Zusammenspiel mit ihrem Kind in einer hochsensiblen Phase. Als Gesellschaft sollten wir diese Lebensphase unterstützen und schützen. Unterstützen Sie deshalb Petitionen und Aktionen….

Alexandra Kluge ist seit 09/2025 1. Landesvorsitzende des SHV e.V. , arbeitet als freiberufliche Hebamme in Leipzig, ist Praxisanleiterin und absolvierte an der FHM noch ein Studium, für ihren Bachelorabschluss in der Hebammenwissenschaft.

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